Gestern (28.03.2015) war ein spezieller Tag im Alpstein.

Allgemeine Lage und mein Gefühl

Die Schweiz war im Einfluss eines Ausläufers des Azorenhochs und wurde im Verlaufe des späteren Nachmittags von einer Warmfront überrollt (Alpstein).

Quelle: MeteoSchweiz

Quelle: MeteoSchweiz

Meteomedia sagte N-Wind am Startplatz der Ebenalp voraus – perfekt also zum fliegen- würde man meinen.

Bereits um 09:00 am Morgen stand ich an der Talstation und war dann auch um 09:30 am Startplatz. Der Wind kam deutlich von West zum Teil sogar Süd-West. Diese Windrichtung auf der Ebenalp löst bei mir immer höchste Alarmbereitschaft aus. Gerne will ich untenstehend erklären warum.

West-/Südwest Wind auf der Ebenalp

Der Alpstein ist ein Gebirgszug der SW/NO ausgerichtet ist wie man unschwer an der Karte unten erkennen kann. Die Windrichtung war an diesem Tag W/SW wie auch die Messwerte von der MeteoSchweiz Messstation auf dem Säntis zeigen (siehe weiter unten). Auf der Karte habe ich darum mal eine rot-gestrichelte Linie von W nach O eingezeichnet.

Direkt darunter sieht man das Höhenprofil welches direkt unter der Linie liegt.

Quelle: map.geo.admin.ch

Quelle: map.geo.admin.ch (markiert ist die Ebenalp, W-Startplatz)

Quelle: MeteoSchweiz App (für iPhone)

Quelle: MeteoSchweiz App (für iPhone)

West Wind Rotor zwischen Ebenalp und Alp Sigel

Nimmt man nun dieses Höhenprofil und setzt dies in eine Windsimulations-Software ergibt sich das untenstehende Ergebnis.

Simulation des Windes

Simulation des Windes

Man beachte, dass der zweite Hügel von links die Ebenalp und das Tal direkt dahinter der Landeplatz Wasserauen darstellt. Nun stellt man unschwerlich fest, dass sich zwischen der Ebenalp und der Alp Sigel ein Rotor einnistet der regelmässige Böen bis in Bodennähe produziert (siehe Simulation). Dies lies sich gestern übrigens live am Landeplatz beobachten (der Wind kam regelmässig vom Alp Sigel herunter (Ost) obwohl die Windrichtung oben erwiesenermassen West ist.

Drei Flüge

Am 28.03.2015 flog ich aufgrund meiner persönlichen Einschätzung drei mal von der Ebenalp, wobei auch ein sehr turbulenter Thermikflug von ca. 1h drinnlag. Gant besonders turbulent war es an der sonst schon turbulenten Äscherwand. Dies insbesondere aufgrund der dort herrschenden Lee-Situation.

Quelle: Ebenalp Webseite

Quelle: Ebenalp Webseite, Schirme sind gegen West ausgelegt

Um ca 12 Uhr setze ich dann zur Landung an und registrierte die stärker werdenden Böen. Dies gab mir dann den Hinweis nun vorsichtig zu entscheiden und auf meine innere „Gefahr-Ampel“ auf orange zu schalten. Nichtsdestotrotz ging ich nochmals zum Startplatz und konnte dort sehr schnell entscheiden, dass kein Flug mehr möglich ist.

Die Anzeichen die zur Stop-Entscheidung führten

Das erste Anzeichen, war sicherlich der W/SW Wind auf dem Säntis. Weitere Anzeichen waren Schneefahnen im ganzen Säntisgebiet (siehe Webcam Bild unten) sowie diverse „Snow-Devils“ direkt oberhalb der Äscherwand.

Quelle: Ebenalp Webseite

Quelle: Ebenalp Webseite, Schneefahnen auf der linken Seite im Sattel

Nach dem ich wieder mit der Bahn nach unten ging informierten wir die Kollegen oben, dass sie abbrechen sollten und lieber die Bahn nehmen sollten.

Der letzte Flug

Als wir schon eine ganze Weile unten waren und den wilden Böen zuschauten kam noch ein Gleitschirmpilot angeflogen. Rund 100 Meter über Grund (weit weg vom Landeplatz) erwischte ihn eine der starken Böen (abgelöster Rotor) und sein Schirm klappte zu 80% weg (EN-C). Er reagierte angemessen und landete rund 5 Sekunden später auf einem Hügel (unverletzt).

Der Laseier Wind

Das oben beschriebene (eigentlich sehr logische) Phänomen wird massiv verstärkt je stärker der Wind ist. Bereits mehrere Male wurden bei W/NW Lagen Zugwaggons (!!) aus den Geleisen gehoben (Richtung West, also 180° anders als man erwarten würde).

 

Quelle: SRF

Quelle: SRF (Generelle Windrichtung: W (von rechts) -> Wind kommt jedoch durch die erklärten Rotoren von links)

Abschliessender Kommentar

Beim Gleitschirmfliegen auf der Ebenalp bei West-Wind ist also immer ein grosses Auge auf die Stärke und die genaue Richtung zu werfen. Ein Windsack am Landeplatz der regelmässig zwischen Ost und Nord wechselt kann bei einer West-Lage ein Hinweis auf das beschriebene Phänomen sein.